Die Technik
oder: "Wie verziere ich ein Trinkhorn?"

Aus alten bildlichen Überlieferungen ist bekannt, dass schon seit Jahrhunderten Kelche, Teller, Essbesteck und Trinkhörner verschönert und verziert worden sind. Leider sind Holz und Horn vergängliche Materialien, die im Erdboden und Gräbern innerhalb dieser langen Zeit vollständig verfallen. Gefunden werden konnten lediglich Trinkhornränder und -Spitzen aus Bronze, Silber und anderen Edelmetallen. Die Bildwerke zeigen uns jedoch, dass Trinkhörner weitaus kunstfertiger verziert worden sind als nur durch Metallbeschläge. Wie kann dies gemacht worden sein?

Eine Antwort auf diese Frage könnte die Eigenschaft des Materiales Horn haben: es schmilzt und verbrennt bei hohen Temperaturen. Was liegt also näher, als eine Verzierung von Hörnern mittels eines heißen Eisenstiftes? Ein geschmiedeter Eisenstift kann in einem Feuer oder einer Glutschale zu den Temperaturen gebracht werden, die ein Einschmelzen von Verzierungen ins Trinkhorn ermöglichen. Damit der Eisenstift in der Hand gehalten werden kann, ohne Verbrennungen zuzuführen, könnte eine dicke Lederhaut oder ein Griff aus Holz angefertigt worden sein.

Die Hornverzierungen von cornum.de beziehen sich somit auf experimentelle Archäologie. In der heutigen Zeit sind natürlich mit Hilfe der Farbenindustrie weitaus farbenprächtigere Verzierungen und mit technisch modernen Hilfsmitteln möglich. Mit folgender Technik werden die Trinkhörner von cornum.de verziert:

  • Vorzeichnung
    Das ausgewählte Motiv wird aufgezeichnet. Vor allem wegen der Krümmung des Rinderhornes ist es besonders schwierig, optisch gerade und parallele Linien zu zeichnen.
 
  • Ausbrennen
    Die zu verzierende Fläche wird mit einer heißen Ahle Punkt für Punkt eingeschmolzen, so dass das Motiv aus vielen kleinen Vertiefungen besteht.

 

  • Farbe & Lack
    Anschließend kann in die entstandenen Vertiefungen die Farbe gegeben werden, meistens mit einem sehr feinen Pinsel und/oder Zahnstocher. Zum Abschluss der Arbeiten wird ein Schutzlack über das Motiv. Durch den Schutzlack werden die Farben lichtecht und robust.
 

Durch diese Technik ist es uns möglich, selbst aufwendige und komplizierte Motive auf das Horn zu bringen. Die Hornoberfläche wird nicht - wie beim Gravieren - zerstört, sondern nur verformt. Beim Gravieren werden die Fasern des Hornes regelrecht zerrissen. Dadurch entstehen Sollbruchstellen, das Horn kann durch einen Stoß oder einen Fall auf harten Untergrund schnell an den eingravierten Stellen zerbrechen.  Durch die eingeschmolzenen Vertiefungen bleiben die Fasern des Hornes erhalten, das Motiv lange haltbar und robust, die Farben lange Zeit prächtig und klar.